Sich wehren lernen: Kinder brauchen Strategien

Was zu Hause im Garten beim Streit um den Ball mit der Schwester hilft, versagt bei gemeinen Sprüchen im Klassenzimmer. Mit einem Werkzeugkoffer an verschiedenen Lösungswegen, probiert ein Kind einfach etwas Neues aus, statt hilflos aufzugeben, wenn der erste Versuch scheitert.

Sich wehren will gelernt sein: Ein Prozess statt ein Naturtalent

In welcher Form sich ein Kind wehrt, wird durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren beeinflusst. Dazu zählen Temperament, Alter, Situation und Erfahrungen im sozialen Umfeld.

Grundsätzlich ist es für jeden Menschen wichtig, vielfältige Strategien zu entwickeln, weil die Situationen so unterschiedlich sind. In Notsituationen fallen auch wir Erwachsene auf archaische Schutz- und Überlebensreflexe zurück und reagieren mit Flüchten, Kämpfen, Totstellen, Erstarren und Unterwerfen.

Bei jüngeren Kindern sind Reaktionen solcher Art ganz natürlich, weil sie sich unter anderem ja auch noch nicht so gut in andere hineinversetzen und ihre Gefühle regulieren können wie Erwachsene.

Erwachsene können idealerweise auf eine Vielzahl kreativer Problemlösestrategien zurückgreifen, während Kinder diese im Laufe ihrer Entwicklung erst schrittweise erlernen müssen.

So lernen sie beispielsweise mit Humor auf Angriffe zu reagieren, Lösungen auszuhandeln („Wir könnten uns abwechseln.“), Kompromisse zu suchen (Jeder gibt ein bisschen nach.), zu tauschen („Ich gebe dir das und du gibst mir das.“), klare Grenzen zu setzen („Hör auf damit. Ich mag das nicht.“).

Schlagen oder Schweigen: Wie Sie ein Kind bei beiden Extremen idealerweise begleiten

Für das Kind, das zuschlägt, ist die Unterstützung bei der Entwicklung alternativer Strategien genauso wichtig wie für das Kind, das sich kommentarlos alles gefallen lässt.

Dabei ist es wichtig, keine vorschnellen Forderungen an das Kind zu stellen, sondern ihm zunächst einmal wohlwollend zuzuhören und versuchen zu verstehen, was überhaupt passiert ist. Was genau das Kind in der betreffenden Situation so gestresst hat, dass es auf archaische Urreflexe zurückgefallen und reflexartig so reagieren musste.

Am besten gelingt das in einer ruhigen Atmosphäre, in der gemeinsam mit dem Kind vielleicht sogar spielerisch erkundet und erforscht werden kann. Oft kann das Kind das, was es erlebt hat, noch nicht in Worte fassen. Dann hilft es, wenn wir ihm unsere Worte leihen: „Oje, ich höre aus dem wie du erzählst, dass dich das sehr geärgert/ traurig gemacht hat als Mara gesagt hat, dass du nicht mitspielen darfst.“

Fühlt sich das Kind gehört und in seiner Not auch angenommen, ist es erst offen und bereit dafür, gemeinsam nach neuen Wegen des Umgangs zu suchen: „Hm, lass uns mal gemeinsam überlegen, was du das nächste Mal sagen kannst, wenn Karsten dir den Ball weg nimmt.“

Kinder lernen vor allem durch Nachahmung. Deshalb unterstützen wir sie am wirkungsvollsten, wenn wir mit gutem Beispiel vorangehen und ihnen im Alltag vorleben, wie wir Konflikte in Ruhe lösen, ohne zu verletzen, und gemeinsam faire Lösung suchen.

Einmischen oder laufen lassen:  Wann Erwachsene eingreifen sollten

Es ist wichtig, dass Erwachsene frühzeitig eingreifen, anstatt auf die Eskalation zu warten und erst dann zu reagieren. Das bedeutet allerdings nicht, dass Eltern bei jedem Konflikt gleich zur Lehrerin laufen oder die Eltern des anderen Kindes anrufen müssen.

Vielmehr geht es darum, dem/den betroffenen Kind/Kindern unterstützend zur Seite zu stehen, in einen freundlichen Kontakt mit ihm/ihnen zu gehen und ihm/ihnen zuerst einmal genau zuzuhören.

In vielen Situationen ist es ratsamer, wenn Erwachsene den Kindern Hinweise geben, die es ihnen ermöglichen, eigenständig zu handeln, als wenn sie die Situation komplett übernehmen.

Hilfe zur Selbsthilfe: Wie wir Kinder stärken

Für das Wohl des Kindes einzustehen ist wichtig, damit es nicht das Gefühl hat, in seiner Not allein gelassen zu sein.

Allerdings sollte das mit Verstand geschehen und ohne gleich extrem emotional oder radikal zu reagieren, indem man das andere Kind etwa anschreit, abwertet und/oder beschuldigt. Das würde die emotionale Spannung nur noch zusätzlich steigern und den Konflikt eher verschärfen anstatt zu lösen.

Sinnvoller  ist es, zuerst einmal in Ruhe gemeinsam zu reflektieren und erst dann zu reagieren, wenn die Situation verstanden wurde: Was ist vorher passiert? Was war vielleicht auch der Anteil des betroffenen Kindes im Streitgeschehen — denn diesen kann es womöglich verändern? Wo genau brauchen die am Konflikt beteiligten Kinder Hilfe von Seiten der Erwachsenen?

Außer in absoluten Not- oder Bedrohungssituationen, da kann eine schnelle Reaktion natürlich „notwendend“ sein.

Sogar „Nichts sagen“ kann hilfreich sein, um Konflikte zu vermeiden. Es sollte aber nicht die einzige Lösungsstrategie des Kindes bleiben.

Zurückhaltende Kinder, die sich nicht äußern, leiden oft still. Das Risiko, dass sie übergegangen werden, nimmt zu, ihre Bedürfnisse bleiben dadurch unerfüllt. Das trägt nicht zum Aufbau ihres Selbstwertgefühls und Selbstvertrauens bei.

Deshalb ist es langfristig betrachtet so wichtig, dass jedes Kind lernt, seine Gefühle, Wünsche und Grenzen auszudrücken und auf vielfältige Weise für sich und seine Interessen einzustehen.

Sich wehren zu lernen ist wichtig

Wenn Sie das Gefühl haben, in alten Mustern festzustecken, aus denen Sie alleine nicht herausfinden, und sich Unterstützung holen wollen, nehmen Sie gerne Kontakt mit mir auf.

Ich freue mich auf Ihren Anruf unter +43 650 753 00 07

Herzlich
Ihre
Simone Fröch

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Außerdem erreichen Sie mich unter der Telefonnummer +43 650 753 00 07 oder Sie schreiben mir eine E-Mail an kontakt@starke-kinder.at

Dieser Text entstand im Rahmen eines Interviews für eine deutsche Tageszeitung.

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