Was tun, wenn Kinder streiten?

Kinder, die sich um Spielzeug streitenKerstin  steht am Waschbecken und wäscht den Salat. Bei einem Blick durch das Küchenfenster sieht sie, wie ihr 6-jähriger Sohn Peter seinen 5-jährigen Cousin Max mit verärgertem Gesichtsausdruck von sich stößt. Woraufhin Max seinem Cousin Peter wütend mit der Hand auf den Rücken schlägt.

Kinder streiten. Das ist ganz natürlich. Wie können Eltern mit den Auseinandersetzungen ihrer Kinder gut umgehen?

Lesen Sie hier, wie Sie Ihren Kindern in vier Schritten helfen können, ihre Auseinandersetzungen friedlich zu lösen:

Eine 4-Schritte-Anleitung

1. Erkennen

Erkennen Sie, dass die Kinder in der Situation überfordert sind und alleine nicht aus dem Streit herausfinden. Idealerweise früh genug, damit es erst gar nicht zu verbalen und körperlichen Grenzüberschreitungen kommt. Fragen Sie die Kinder: „Was ist los? Kann ich euch helfen?“

Falls Gefahr besteht, dass jemand körperlich verletzt wird, müssen Sie dazwischen gehen. Schieben Sie die Kinder auseinander, stellen Sie sich schützend zwischen sie und sagen Sie bestimmt: „Stopp! Wir tun einander nicht weh!“

Helfen Sie den Kindern, sich zu beruhigen: „Atme tief durch!“.

Wenn notwendig, bringen Sie eines oder beide Kinder auf ihre Kinderzimmer und sagen Sie ihnen: „Wir machen eine Pause, damit ihr euch beruhigen könnt.“

Bleiben Sie zunächst bei dem Kind, das aufgebrachter ist.

2. Verstehen

Hören Sie den Kindern respektvoll zu, um zu verstehen, was sie Ihnen sagen wollen. Benennen Sie, was Sie gehört und verstanden haben: „Aha, Peter hat dir also nicht geantwortet, als du ihn gefragt hast, ob er mit dir spielen will. Und das hat dich wütend gemacht.“

Sorgen Sie dafür, dass jedes Kind ausreden darf: „Peter, magst du jetzt erzählen was passiert ist?“

Beschreiben Sie Ihre eigenen Beobachtungen, ohne die Kinder zu verurteilen: „Ich habe gesehen, dass du Max von dir gestoßen hast und du Max, hast Peter dann mit der Hand auf den Rücken geschlagen. Und jetzt schaut ihr euch gegenseitig böse an.“

3. Annehmen

Natürlich wird Sie das innerlich aufwühlen. Bewahren Sie trotzdem eine liebevolle Haltung und würdigen Sie die Ursachen für die Gefühle und Verhaltensweisen Ihrer Kinder. Machen Sie sich bewusst, dass die Kinder noch keine Strategien gefunden haben, um den Streit friedlich zu lösen — sie sind ja noch jung.

Versetzen Sie sich in ihre Perspektive und schenken Sie ihnen Ihr Mitgefühl: „Max, du hast dich so darauf gefreut, mit Peter zu spielen. Und weil er dir nicht geantwortet hat, hast du ihm den Ball weggenommen. Dir Peter, ist daraufhin nix anderes eingefallen, als Max zu schubsen. So hast du dich für dich eingesetzt. Du, Max, bist darüber erschrocken und hast Peter dann auf den Rücken geschlagen.“

4. Verändern

Wenn sich die Kinder beruhigt haben, können Sie mit ihnen gemeinsam friedliche Lösungswege suchen. Teilweise wird es dafür Ihre Ideen brauchen. Drängen Sie den Kindern diese aber nicht auf, sondern lassen Sie sie nach Möglichkeit selbst bei der Ideenfindung kreativ werden.

Nach dem Motto: So viel Unterstützung wie notwendig und so wenig wie möglich. Helfen Sie ihnen zum Beispiel mit Fragen wie: „Was kann dir/euch denn da helfen?“ oder „Was kannst du das nächste Mal denken/sagen/tun?“

Und nicht zuletzt

Vergessen Sie bei alldem nicht, auch auf sich selbst zu achten. Deeskalierend eingreifen zu müssen, kostet Kraft und Nerven. Nicht selten kommen Eltern dabei selbst an ihre Grenzen.

Achten Sie deshalb auf die Intensität Ihrer Anspannung und regulieren Sie diese rechtzeitig herunter, indem Sie zum Beispiel tief durchatmen. Kinder lernen am Modell und das sind Sie! Tun Sie das noch bevor Sie selbst die Geduld verlieren und die Kinder am Ende wutentbrannt anbrüllen. Nur so können Sie als Eltern die notwendige Ruhe bewahren und erwachsen agieren. Und genau das ist es, was Kinder in solchen Situationen am meisten von uns brauchen.

Herzlich
Ihre
Simone Fröch


Bild © LP / photocase.de

Den Beitrag teilen:

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.