Co-Sleeping: Die ganze Familie in einem Bett

Anlässlich eines Interviews für eine  österreichische Tageszeitung habe ich mir Gedanken zum Thema Co-Sleeping und Familienbett gemacht.

Hierzu drei Fragen, drei Antworten und drei praktische Tipps für den Umgang mit ängstlichen Kindern.

Wie lange sollen Kinder bei den Eltern schlafen?

Dazu lässt sich keine Regel aufstellen, die für jedes Kind gleichermaßen gilt. Es geht vielmehr darum, dass Eltern erspüren, welche Form der Nähe und wieviel davon ihr Kind in der jeweiligen Entwicklungsphase braucht, damit es sich sicher und geborgen fühlen kann.

Früher oder später entsteht in jedem Kind der Wunsch nach einem eigenen Schlaf(be)reich. Diesem sollten Eltern nicht im Wege stehen – auch wenn sie selber diese Nähe angenehm finden – sondern bereits die ersten Anzeichen davon respektieren und fördern.

Was bedeutet Co-Sleeping für die Eltern und ihre (Liebes)Beziehung?

Die gemeinsame Bestrebung, einem Kind Sicherheit und Geborgenheit zu schenken, stärkt die Paarbeziehung. Bei unterschiedlichen Meinungen dazu: die Diskussion bitte in den Tag hinein legen. Keinesfalls dürfen Kinder als Lückenbüßer dienen: Bei Streit zwischen den Eltern sucht ein Elternteil mehr Nähe zum Kind – das geht gar nicht.

Wichtig ist es, neben der Elternschaft die Pflege der Paarbeziehung im Bewusstsein zu behalten, dabei jedoch deutliche Grenzen zu ziehen. Im Klartext: Kein Sex in Sicht- oder Hörweite von wachen oder schlafenden Kindern.

Ist Co-Sleeping gut für die Entwicklung der Kinder?

Co-Sleeping kann Kindern genau wie gemeinsames Essen und Spielen sichere Bindung vermitteln. Eine gereizte Stimmung, Gewalt oder eine Atmosphäre der Gleichgültigkeit lässt so oder anders keine Nestwärme entstehen, daran würde auch das Schlafen im gemeinsamen Bett nichts ändern.

Manchmal stehen Eltern vor der Entscheidung: „Sollen wir jetzt Sicherheit vermitteln oder sollen wir unser Kind auffordern, selbst Lösungen – z.B. zum Umgang mit Angst – zu finden und damit Selbstbewusstsein aufbauen?“

Es gibt praktisch immer Zwischenwege

  • Bei älteren Kindern kann z.B. ein langer Wollfaden zwischen den beiden Schlafzimmern eine Verbindung „sichtbar“ und spürbar halten.
  • Bei jüngeren hilft es vielleicht, Geschichten zu erzählen, wie der Umgang mit stressigen Gefühlen gelingen kann: „Es war einmal ein Tier (oder Lieblingsfigur aus TV oder Computerspiel), dem ging es zuerst gut, dann kam die Angst und wurde übermächtig. Doch mit Hilfe verschiedener Techniken gelang es ihm, stärker zu werden. So wurde die Angst kleiner und blieb als Vorsicht im Leben des Tieres.“
  • Vielleicht ist es zunächst wichtig, herauszufinden, was genau das Kind fürchtet, und dann durch ein gezielt gewähltes Stofftier eine Gegenkraft aufzubauen: Das Tierchen darf dann den ganzen Tag im Elternbett schlafen, speichert die guten Gefühle dort und gibt sie in der Nacht an das Kind ab. Da sind Eltern in ihrer Empathie und Phantasie gefordert.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie gute Nächte und friedliche Träume.

Herzlich Ihre
Simone Fröch


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